Cyanogen: Android Google wegnehmen – und Microsoft macht mit!

Datum: Autor: Julian Kategorie: Smartphones, TabletsTAGS:  , , ,

Zahlreichen Lesern dürfte Cyanogen bzw. das Produkt CyanogenMod als alternatives und optimiertes Android (Custom-ROM) bekannt sein. In den letzten Jahren konnte CyanogenMod deutlich an Verbreitung zulegen. Zum Anfang der Woche machte dann Cyanogen CEO Kirt McMaster auf der Android-Konferenz “Next Phase of Android” die vollmundige Aussage, Cyanogen Inc. wolle Google Android wegnehmen. Betrachtet man diese scheinbar realitätsferne Aussage neutral und objektiv, steckt Sinn hinter der Aussage. Das hat man sich wohl auch bei Microsoft in Redmond gedacht. Laut eines Berichts des Wall Street Journals will der Windows-Riese stattlich in das Unternehmen investieren.

Google benachteiligt Drittanbieter-Apps und Fremd-Entwickler

Wir wollen Android Google wegnehmen – was extrem provokativ klingt, erscheint bei genauerer Betrachtung plausibel. Und Cyanogen CEO McMaster erklärt das auch entsprechend logisch. Android ist, wie auch iOS von Apple, so aufgebaut, dass nur die eigenen Apps wirklich auf die gesamte OS-Architektur zugreifen können, also auch in die tieferen Bereiche mit den CPU-Kernen beispielsweise. Dadurch sind Apps von Google deutlich tiefer in Android verankert und können dessen Ressourcen entsprechend leistungsstark ausnutzen. Der Cyanogen CEO nutzt dazu das Beispiel von der Spracherkennung Google Now. Die Leistungsfähigkeit, die Google Now besitzt, ist unter anderem dieser hervorragenden Integration in Android zu verdanken.

--Werbung--

Apps von Drittanbieter sind immer nur Passagiere auf den Rücksitzen

Dadurch erscheint zum Beispiel das von McMaster genannte Yahoo Aviate als alternativer Assistent als weniger ausgereift, denn laut dem CEO seien andere Drittapps wie in diesem Fall benachteiligt, besser kontextoptimierte Ergebnisse zu generieren. Dazu können herkömmliche Drittanbieter-Apps einfach nicht die notwendigen tiefen Ebenen von Android nutzen und anzapfen. McMaster nutzte den leicht verständlichen Vergleich mit der Sandbox.

Apps, die nicht von Google (Android) oder von Apple (iOS) stammen, seien in der Sandbox gefangen. Damit werden den Dritt-Apps Datenzugänge ebenso wie die Nutzung von OS-Ressourcen verwehrt, während die Apps der Hersteller bzw. Anbieter der Betriebssysteme ihre Macht und ihren Einfluss deutlich über die Apps ausbauen können. Letztendlich ist das wohl auch kein Geheimnis, denn Google wollte ja von Anfang an seine Marktposition durch Android ausweiten und nicht am OS selbst verdienen – das wäre einfach zu kurzfristig gedacht.

Microsoft: Marktanteile über den Hintereingang

Genau hier kommt nun Microsoft ins Spiel und lässt diese Woche schon das zweite Mal in Verbindung zu Cyanogen Inc. aufhorchen. Die Software-Schmiede hat wohl genau dieses Potenzial erkannt, das McMaster damit angesprochen hat. Denn die Lösung, die McMaster auf der oben erwähnten Android-Konferenz propagiert, ist ein komplett Google-freies Android, also praktisch das bevorstehende Next-Gen CyanogenMod. Wie attraktiv das für einen Konzern wie Microsoft klingen muss, lässt sich schnell erahnen – ein Android, das bis in die tiefen Ebenen des Betriebssystems offen ist, und mit der Apps in einem Umfang angewandt werden können, der bislang Google vorbehalten war. Zwar hat Microsoft bekanntlich sein eigenes Mobile-OS, doch dass Windows Mobile alles andere als erfolgreich ist, ist ebenfalls kein Geheimnis. Quasi könnte Microsoft so über die Hintertüre doch noch einen erheblich größeren Teil von Smartphone-Nutzern zumindest in deutlich erweiterten und vertieften Teilbereichen erreichen.

Weitere Geldgeber könnten sich schnell und großzügig anschließen

So ist es nicht verwunderlich, dass das Wall Street Journal von Insidern erfahren haben möchte, dass der Bill-Gates-Konzern zu einem 70-Millionen-Dollar-Investment bei Cyanogen Inc. bereit sei. Das würde das Finanzvolumen des Android-Distributors auf deutlich über 100 Millionen Dollar anheben. Damit dürften sich dann entsprechend komplett Google-freie CyanogenMod-Custom-ROMs schnell und effizient umsetzen lassen. Ein solches Microsoft-Investment könnte aber auch andere Unternehmen beflügeln, denen die marktbeherrschende Position von Google ein Dorn im Auge ist, ebenfalls Geld in das Unternehmen zu investieren. Doch gerade in Bezug auf Microsoft bleibt ein fader Beigeschmack, der letztendlich die Erfolgsgeschichte von CyanogenMod als echte Android-Alternative schnell wieder vom Markt fegen könnte.

Ob das Kalkül von Microsoft aufgeht, bleibt jedoch abzuwarten

Um auf das Beispiel zwischen Google Now und Yahoo Aviate zurückzukommen: McMaster hat die rhetorische Frage gestellt, ob denn nicht die Nutzer selbst entscheiden sollten, welchen der beiden Sprachassistenz-Launcher sie gerne verwenden wollten. Nun, offen und ehrlich hätte eine so hohe Investition von Microsoft sicherlich nicht die Folge, dass man diese Entscheidung völlig unbeeinflusst dem Smartphone-Benutzer überlassen würde. Stattdessen würde dann ein Microsoft-Produkt immer als bequeme Alternative in der Nähe sein. Google gegen Microsoft einzutauschen, liegt sicherlich dabei aber nicht in den primären Interessen der heute rund 35 Prozent aller Android-Smartphones, die ohne Googles Android betrieben werden.

Banner buchen

Wenn du einen Bannerplatz auf unserer Website buchen, einen Linktausch vorschlagen, oder Artikel schreiben möchtest, klicke hier.