Wie giftig Smartphones wirklich sind

Datum: Autor: Gesa Kategorie: SmartphonesTAGS:  , , , , , , , ,

In jedem Smartphone verstecken sich Giftstoffe. Obwohl sich ihre Konzentrationen schon stark verringert haben, enthalten auch die neusten Modelle noch erschreckend hohe Mengen. Besonders problematisch ist die Verwendung von Brom, Blei und Quecksilber. Diese Stoffe schaden Mensch und Umwelt während des Rohstoffabbaus und der Weiterverarbeitung in Produktionsfabriken. Am stärksten sind die Auswirkungen allerdings bei der Entsorgung von Handys. In einer Untersuchung von Healthystuff.com wurden 36 mobile Geräte auf diese Stoffe hin untersucht. Darunter auch das iPhone 5 und das Samsung Galaxy S3, die laut diesen Testergebnissen zu den umweltfreundlichsten gehören. Doch auch sie enthalten noch zu viele schädliche Stoffe.

So schaden uns die Stoffe in unseren Smartphones

Grundsätzlich setzen sich alle Smartphones aus den gleichen Bestandteilen zusammen. Äußerlich zugänglich sind die Hülle, Buttons und das Display. Im Inneren liegen der Akku, der Prozessor und die Leiterplatte. In diesen Bauteilen sind in unterschiedlichen Mengen giftige Stoffe enthalten. Am problematischsten sind Brom, Blei, Quecksilber und Chlor. Brom wird in Smartphones in Form von feuerhemmenden Chemikalien (BFRs) verwendet. Werden diese freigesetzt schaden sie sowohl Lebewesen als auch der Umwelt. Durch unsachgemäße Entsorgung oder Verbrennung von Smartphones gelangen sie in die Luft oder in unser Grundwasser. Beim Kontakt mit den Chemikalien wurden Auswirkungen auf die Schilddrüse, den Hormonhaushalt und das Gehirn nachgewiesen.

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Smartphones enthalten viele Giftstoffe, die nicht nur die Umwelt schädigen, sondern auch gesundheitliche Auswirkungen auf uns haben.
Smartphones enthalten viele Giftstoffe, die nicht nur die Umwelt belasten, sondern auch gesundheitsschädlich sind.

Neurologische Auswirkungen auf Kinder

Chlor wird in Smartphones in erster Linie in Form des Kunststoffes Polyvinylchlorid (PVC) verwendet, das etwa 30% des Gerätes ausmacht. Chlor findet sich aber auch als Isolationsschicht auf Kabeln und Drähten. Das Schwermetall Blei ist in vielen Komponenten von Smartphones wie der Leiterplatte und dem Akku enthalten. Erhöhte Mengen können sich auf die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und jungen Erwachsenen auswirken. Mögliche Folgen sind Verhaltensstörungen wie das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Neben dem Gehirn sind auch Schäden des Nervensystems, der Nieren und der Fortpflanzungsorgane möglich. Auch Quecksilber ist ein Schwermetall, das in mehreren Bauteilen wie dem Akku und der Leiterplatte vorkommt. Gesundheitliche Folgen können ebenfalls Schäden von Hirn und Nieren sein.

Gefährlich werden diese Stoffe, wenn sie unsachgemäß entsorgt werden. Gelangen sie beispielsweise in den Hausmüll, werden sie zusammen mit dem restlichem Abfall verbrannt. Die Rauchgase werden zwar gefiltert, doch sind Verbrennungsanlagen für den Hausmüll nicht für Elektroschrott ausgelegt und haben oft nicht die notwendige Technik um beispielsweise Quecksilber zu binden. So gelangt es mit anderen Giftstoffen in die Luft und dadurch in den Erdboden und das Grundwasser. Deswegen ist es so wichtig Elektroschrott wie Smartphones in den Sonderabfall zu geben oder im besten Fall zu recyceln.

Foxconn als Negativ-Beispiel

Neben diesen Stoffen gibt es noch weit mehr, die uns und die Umwelt beeinträchtigen. Viele von ihnen schaden den Arbeitern schon während der Gewinnung von Rohstoffen und bei der Produktion. Ein Großteil der Rohstoffe kommt aus armen Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo. Dort herrscht ein bewaffneter Konflikt, der unter anderem durch die Gewinnung dieser Rohstoffe finanziert wird. Für die Minenarbeiter gibt es nicht den geringsten Schutz gegen Gesundheitsschädliche Stoffe.

In der Smartphone-Produktion gibt es viele schwarze Schafe. Besonders häufig ist der Apple-Hersteller Foxconn in den Schlagzeilen. Sichherheitsstandards werden missachtet und den Arbeitern werden Hungerlöhne gezahlt. Nachdem sich in den vergangenen Jahren 13 von ihnen auf Grund der desaströsen Arbeitsbedingungen das Leben nahmen, reagierte die Geschäftsleitung mit einen Brief an die Mitarbeiter, in dem sie versichern mussten, sich nicht umzubringen oder sich “in anderer extremer Form zu verletzen”. Obwohl die Löhne schon angehoben wurden, reicht es noch immer gerade mal für das Nötigste. Dazu kommt noch ein mangelhafter Schutz vor den Giftstoffen, mit denen sie tagtäglich in Berührung kommen. Alle Einzelheiten dazu haben wir in unserem Artikel über die Smartphone-Produktion zusammengefasst.

Wie schneiden iPhone und Galaxy S3 im Vergleich ab?

Apple ist einer der Hersteller, die kontinuierlich weniger Giftstoffe verarbeiten. Der Konkurrent Samsung hat zwar im Durchschnitt eine bessere Bilanz, doch hat Apple ganz klar die größte Entwicklung gezeigt. Im Vergleich schneidet das neuere Modell immer ein bisschen besser ab als sein Vorgänger. Nur das iPhone 5 hat einen kleinen Rückschritt zum iPhone 4S gemacht. Stellt man sie anderen Smartphones gegenüber, liegen beide trotzdem unter den umweltfreundlichsten.

Apple gibt in seinem “Enviromantal Report” an, in dem iPhone 5 sei weder BFR oder PVC enthalten. Allerdings wurde bei der Untersuchung von HealthyStuff.org der BFR-Bestandteil Brom in verschiedenen Teilen des iPhone 5 gefunden. Auch Chlor, das in PVC enthalten ist, wurde nachgewiesen. Doch nur weil einer der Grundstoffe enthalten ist, heißt es natürlich nicht, dass er in diesen Zusammensetzungen verwendet wird. Trotzdem sind Brom und Chlor leider weiter vorhanden. Aus den Ergebnissen ihrer Untersuchung hat HealthyStuff ein Smartphone-Ranking erstellt. Während das neuste iPhone auf Platz 5 liegt, hat es sein Hauptkonkurrent Samsung Galaxy S3 nur auf Platz 8 geschafft. Beide enthalten die gleiche Menge an Chlor, doch wurde in dem iPhone sehr viel weniger Brom gefunden als im Galaxy (im Bewertungssystem 0,4 und 1,8). Auch bei der Menge von Quecksilber und Blei liegt das Apple Produkt vorne.

Es gibt viele Möglichkeiten sein Handy zu recyceln - eine von ihnen ist Handysfürdieumwelt. Bild: DHU
Es gibt viele Möglichkeiten sein Handy zu recyceln – eine von ihnen ist die Kampagne Handys für die Umwelt. Bild: DHU

Was kann ich tun?

Zuerst stellt sich natürlich die Frage, ob wir wirklich jedes Jahr ein neues Smartphone brauchen. Denn jedes neu produzierte Smartphone verursacht schädliche Stoffe. Gleichzeitig muss jedes alte Smartphone entsorgt werden. Um die Natur so wenig wie möglich zu belasten, sollten Smartphones grundsätzlich recycelt werden. Elektroschrott wird oft unsachgemäß verbrannt, wodurch diese Schadstoffe zuerst in die Luft und später in die Erde und unser Grundwasser gelangen.

Unabhängige Stellen machen es uns einfach Smartphones umweltgerecht zu entsorgen. So gibt es beispielsweise Scheideanstalt.de und die Kampagne der Deutschan Umwelthilfe Handysfuerdieumwelt, denen man sein Gerät einfach zusenden kann. Oft bekommt man sogar noch Geld für sein altes Smartphone, je nachdem wie alt es ist und in welchem Zustand es sich befindet. Doch auch die meisten großen Hersteller und Netzanbieter bieten eigene Recycling Programme an. Nur durch eine fachgerechte Entsorgung kann gewährleistet werden, dass die Umwelt nicht unnötig belastet wird. Wer nach der Entsorgung ein neues Handy braucht, sollte Geräte vergleichen und sich bewusst für ein umweltschonendes Gerät entscheiden. Manche Smartphones haben beispielsweise durch einen austauschbaren Akku eine längere Lebensdauer. Dieser ist in der Regel das erste Bauteil das einen Defekt aufweist. Oft ist er mit den restlichen Teilen verklebt, dann muss das gesamte Gerät entsorgt und erneuert werden.

Fairphone lässt sich komplett recyceln

Eine klare Alternative zu den großen Herstellern ist beispielsweise das Fairphone. Das gleichnamige Startup Unternehmen aus den Niederlanden hat es sich zum Ziel gesetzt “Ein ernsthaft cooles Smartphone, das soziale Werte in den Vordergrund stellt” herzustellen. Eigenen Angaben zufolge lässt es sich vollständig recyceln. Auch in der Produktion wird strengstens darauf geachtet, dass die Arbeiter nicht ausgebeutet werden. Erscheinen soll das Fairphone bereits diesen Herbst. Alles weiteren Informationen gibt es in unserem Artikel zum Fairphone.

Am Ende dürfen wir nur nicht vergessen, dass unsere Entscheidungen – auch beim Kauf eines Smartphones – nicht nur uns betreffen, sondern auch Auswirkungen auf Menschen in weit entfernten Ländern und unsere Umwelt haben.

 

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