Motorola plant Baukasten-Handy

Datum: Autor: Julian Kategorie: SmartphonesTAGS:  , ,

Die Idee ist nicht neu. Mehrfach wurden Ideen im Internet publiziert, ein Smartphone aus einzelnen Komponenten nach individuellen Vorstellungen zusammenzustellen. Motorola hat diese Ideen nun aufgegriffen und erklärt das Hardware-Konzept Ara zum Gegenstück vom frei gestaltbaren Android Betriebssystem. Auch wenn es Kritiker zu der Idee gibt, brächte Ara doch viele Vorteile mit sich.

Das Prinzip des Baukasten-Smartphones Ara von Motorola

Die grundsätzliche Idee ist es, ein Smartphone zu konzipieren, das aus vielen einzelnen Modulen zusammengesetzt werden kann. Am ehesten ist das vielleicht noch mit einem Automodell zu vergleichen. Auch wenn zwei Fahrzeuge ein und desselben Modells äußerlich baugleich aussehen, muss unter der Haube nicht derselbe Motor zu finden sein oder die Innenausstattung ist für jeden Fahrzeugkäufer frei wählbar. Ähnlich soll es dann für das Baukasten-Smartphone verschiedene Display-Module, Sensoren, Akkus, Gehäuse, Prozessoren usw. geben. Doch während beim Auto die unterschiedlichen Ausstattungen alle vom selben Automobilhersteller kommen, soll der Komponentenmarkt für die einzelnen Smartphone-Module für alle Unternehmen offenstehen.

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Vor- und Nachteile dieser Idee

Die Idee hat neben einem wohl wichtigen Nachteil aber tatsächlich viele Vorteile. Nachteilig dürfte sich wohl auswirken, dass viele der Module extra Gehäuse benötigen. Dadurch würden entsprechende Ara-Smartphones wohl größer und schwerer ausfallen. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass die einzelnen Bauteile nicht so platzsparend angeordnet werden können.

Einige Kritiker sind gar der Meinung, dass solche einzelnen Komponenten auch teurer sein müssten, weil bei den jetzt populären Smartphones immer millionenfach Bauteile geordert werden, was sich im Einkaufspreis niederschlägt. Allerdings dürfte dieser Ansatz eher falsch sein. Gibt es beispielsweise Fortschritte bei den Displays, wie jetzt von Full HD zu 4k-Touchscreens, würden die Besitzer eines Ara-Smartphones einfach das Display abnehmen und ein neues aufstecken und nicht das gesamte Gerät ersetzen.

Ara würde völlig neue Ansätze eröffnen

Ähnlich verhält es sich mit Prozessoren, leistungsfähigeren Akkus und zukünftig neuen Funktionen wie die verschiedenen WLAN-Standards oder von 3G zu 4G und später noch höher. Denkbar ist einfach alles. Es müsste dann auch nicht das gesamte Smartphone entsorgt werden, sondern nur eine bestimmte Komponente. Das ist auf Dauer preiswerter als ein völlig neues Smartphone.

Aus ökologischer Sicht ist es ebenfalls Ressourcen sparend, ergänzend fallen weniger Abfälle an, die noch gezielter recycelt werden könnten. Einzelne Unternehmen könnten sich in der Forschung und Entwicklung weiter auf bestimmte Bauteile spezialisieren. Bereits 2011 hatte das israelische Unternehmen Modu ein patentiertes Konzept für steckbare Smartphones, denn in diesem Jahr hatte Google die Patente erworben, nachdem die Israelis nicht weitergekommen waren.

Phonebloks hat gezeigt, dass Interesse seitens der Konsumenten besteht

Im Spätsommer 2013 stellte der Niederländer Dave Hakkens dann mit Phonebloks ein ähnliches Projekt vor. Das Ziel war es, 500 Unterstützer zu finden, letztendlich fanden sich aber knapp eine Million Supporter. Damit war das Baukasten-Smartphone zwar noch nicht gebaut, aber immerhin ist nun ersichtlich, dass durchaus ein Markt für ein solches Smartphone bestehen könnte.

Laut dem Unternehmen arbeitet auch die Google Tochter Motorola seit circa einem Jahr an dem Kombi-Smartphone und hat den holländischen Designer ins Boot geholt, ohne dass der seine unternehmerische Unabhängigkeit aufgeben musste. Laut Motorola ist es das erklärte Ziel, mit der Hardware das zu schaffen, was Google mit Android bei der Software längst geschafft hat – ein Gerüst anzubieten, das jeder Dritte ohne Einschränkungen nutzen und weiterentwickeln oder für seine Bedürfnisse oder Vorstellungen umgestalten kann.

Schon bei Desktop-PCs hat sich das Zusammenstellen von Komponenten längst etablieren können

Alleine die ökologischen Vorteile wären außerordentlich groß. Längst werden explizit Smartphones und Tablets nicht mehr ersetzt, wenn sie beinahe verschlissen oder gar nur technisch veraltet sind. Im Schnitt alle zwei Jahre wird ein neues Gerät angeschafft. In den meisten Fällen nur, um up to date zu sein. Im Prinzip gibt es diesen Lösungsansatz schon bei Desktop-PCs sehr erfolgreich. Immer mehr Konsumenten entschieden sich in der Vergangenheit dafür, aus einzelnen Komponenten einen Computer zusammenzubauen oder beauftragten damit Unternehmen, die ihrerseits genau aus diesem Grund gegründet wurden. Ob und inwieweit sich Motorola Ara durchsetzen kann, wird sich wohl schon bald zeigen.

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