Happy Birthday Smartphone zum 20. Geburtstag

Datum: Autor: Julian Kategorie: SmartphonesTAGS: 

Ja, durchaus richtig gelesen. Streng genommen ist das Smartphone bereits 20 Jahre alt. Zumindest mit Blick auf die technische Ausrichtung in der Handhabung, aber auch in der Ausstattung. Oftmals wird dabei der Nokia Communicator genannt, der allerdings erst vor 18 Jahren auf den Markt kam. Wie so oft bei technischen Produkten, die sich später zu einem wichtigen Produkt entwickeln, floppte das erste Smartphone aber massiv. Nicht einmal ein Jahr nach seiner Vorstellung war das IBM Simon schon wieder vom Markt genommen worden – ersatzlos.

Das Smartphone zu einer Zeit, als es noch keine Smartphones gab

Natürlich ist es auch das Unternehmen Apple, das uns Smartphones als erster Hersteller so präsentiert, wie wir sie heute kennen. Oft wird aber auch der Nokia Communicator als das erste Smartphone bezeichnet. Den brachte der einstige Weltmarkführer aber erst 1996 heraus, zwei Jahre, nachdem IBM diesen Weg schon bestritt. Um den engen Zusammenhang zu modernen Smartphones besser zu erkennen, haben wir nachfolgend wie bei neu präsentierten Geräten die technischen Details zusammengestellt.

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Technische Details vom IBM Simon

Beim Touchscreen-Monitor handelt es sich um einen monochromen, also einfarbigen Bildschirm. Der konnte wahlweise mit dem Fingern oder einem dafür konzipierten Pen bedient werden, der sich durch kapazitive Bedienung jedoch von heutigen Pens unterscheidet. Der Stift wurde also hauptsächlich benötigt, um die sehr kleinen Zeichenfelder auf dem Touchscreen eindeutig tippen zu können. Die Auflösung lag bei heute kaum vorstellbar geringen 293 mal160 Pixeln.

CPU, Betriebssystem, alles schon da

Das Herzstück war wie bei modernen Smartphones ebenfalls bereits eine SoC-CPU, also ein “System-on-Chip”-Prozessor mit 16 MHz. Sämtliche Daten für die Grafik waren ebenfalls schon auf diesem Chip der Vadem-Serie von NEC. Außerdem ist dieser Prozessor bereits mit x86 kompatibel gewesen, weshalb auch umfangreicheres und weitreichendes Embedded DOS genutzt werden konnte.

Auf dem Gerät befand sich als Betriebssystem ein speziell dafür modifiziertes MS-DOS. Eine Kamera besaß dieses Gerät natürlich noch nicht. Es wurde damals auch nicht als Smartphone bezeichnet – diesen Begriff gab es schlicht noch gar nicht. Es war die große Zeit der PDAs (Personal Digital Assistent), die von den Palms angeführt wurde. Böse Zungen würden den IBM Simon aus heutiger Sicht wohl eher einen besseren Pager nennen.

Kommunikation: selbst Internetanbindung war machbar

Neben Telefonieren und SMS versenden war prinzipiell auch das Schreiben und Versenden von E-Mails möglich. Allerdings gab es dafür noch keinen drahtlosen Standard. Stattdessen musste ein entsprechendes Datenkabel als Extra dazugekauft werden. Aus heutiger Sicht also eher ein sinnvolles Gadget. Dazu muss man aber auch die damalige Zeit bedenken. Das Internet gab es bereits, doch die meisten Menschen kannten es noch gar nicht.

Die richtige Popularität kam erst ein paar Jahre später und selbst da zählten diejenigen, die die großen Chancen des Internets bereits erkannten, eher als Nerds und Spinner. Also ist es auch nicht verwunderlich, dass zum Versenden einer E-Mail auch erst der jeweilige Server direkt angerufen werden musste. Aber, und das ist entscheidend, der IBM Simon war so auch schon internetfähig. Dazu steckte auch ein eigenes Modem ist dem Gerät.

An die Epoche angepasste Features und Funktionen

Die Benutzeroberfläche ist natürlich auch nicht mit dem heutigen Erscheinungsbild übereinstimmend, hatte aber durchaus erste Ansätze. Neben Kartei-Tabs fanden sich auch schon die ersten Icons. Was damals aber neben der möglichen Internet-Nutzung wesentlich wichtiger war: es konnten auch Faxe versendet und empfangen werden. Zu jener Zeit war das Fax noch ein wichtiges Kommunikationsgerät und aus keinem modernen Büro wegzudenken.

Apps gab es nicht, aber Erweiterungen sollte es geben

Auch über Erweiterungen, die wir heute als Apps kennen, hatte sich IBM schon Gedanken gemacht. Dafür sollte der Simon ebenfalls ausgelegt sein. Das Herunterladen der jeweiligen Software war dabei aber keinesfalls ausreichend. Vielmehr sollte dann an Steckkarten jeweils eine Erweiterung “hängen”. Die Idee basierte auf den damals bei herkömmlichen Desktop-PCs verwendeten PCMCIA-Steckkarten.

Die Akkuleistung: eine Stunde telefonieren

Die Akkus definierten zudem zu jener zeit auch die Größe entsprechender mobiler Kommunikationsgeräte. Der Nickel-Kadmium-Akku vom Simon ermöglichte es seinem Besitzer immerhin, rund eine Stunde zu telefonieren. Der Preis dagegen erscheint irgendwie bekannt, wie es für Topgeräte nun einmal ist. Ab 600 Dollar (mit Provider-Vertrag) und bis zu 1.100 Dollar (ohne Vertrag) kostete der Simon. Immerhin wurden aber doch 50.000 Stück verkauft.

Die Zeit war wohl noch nicht reif und trotzdem wurde es ein weltumspannender Erfolg

Allerdings wohl auch viel zu wenig, als dass sich externe Developer wirklich die Mühe gemacht hätten, Erweiterungen mit PCMCIA-Karten zu programmieren. Übrigens war auch der nächste Versuch durch Nokia mit dem Communicator nicht wirklich durchschlagend. Das schaffte erst Apple mit dem iPhone. Doch sieht man gerade an Geräten wie dem IBM Simon, wie rasant sich die Smartphone-Technologie letztendlich entwickeln konnte. Wir gratulieren dem Smartphone.

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