ReDigi: Unsichere Rechtslage für gebrauchte iTunes Musik

Datum: Autor: Beni Kategorie: InternetTAGS:  , , ,

Die Plattform ReDigi kam mit einem völlig neuen Geschäftsmodell auf den Internetmarkt: dort können bei iTunes erstandene Songs und andere Dateien von den iTunes Kunden verkauft werden. Darüber schwelt in den USA bereits seit 2012 ein Rechtsstreit, in dem es nun zu einem sehr subtilen Rechtsurteil gekommen ist. Demnach dürfen iTunes Kunden ihre dort erstandenen virtuellen Güter nicht weiterverkaufen – zumindest nicht in der jetzigen Form über das Internet. Allerdings liegen dem Urteil auch schwerwiegende Fehler in der Urteilsbegründung zugrunde.

Das Geschäftsmodell von ReDigi

Es galt als eines der innovativen Geschäftsmodelle im Jahr 2012: ReDigi. Die Macher hinter der Plattform ermöglichen ihren Kunden, Dateien, die sie bei iTunes erworben hatten, weiterzuverkaufen. Also praktisch ein ganz regulärer Secondhand-Markt. Die Software von ReDigi stellt dabei sicher, dass die verkaufte Datei nicht mehr auf den Flashspeichern und Harddrives des Verkäufers vorhanden ist. Das gilt sowohl für das Gerät, über das eine Datei zuvor im iTunes Store gekauft wurde als auch für sämtliche, synchronisierte PCs, Smartphones und Tablets. Wie man meinen möchte, also ein völlig regulärer Verkauf von Dateien, die man nicht mehr benötigt. Doch Richter Sullivan von einem Bezirksgericht in New York entschied völlig überraschend ganz anders.

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ReDigi-Website
ReDigi Website.

Handel mit gebrauchten digitalen Daten vermeintlich illegal

Demnach sei der Handel mit den digitalen Daten illegal und stelle Urheberrechtsverletzungen dar. In der Urteilbegründung berief sich der Richter vor allem darauf, dass ja eigentlich nur eine Kopie von dem entsprechenden Gerät des Verkäufers an ReDigi übermittelt werde. Konsequenterweise müsste der Verkäufer also seinen Flashspeicher oder seine Festplatte verkaufen. Dabei hat der Richter jedoch einen maßgeblichen Punkt übersehen: streng genommen müsste dann auch das Geschäftsmodell von iTunes illegal sein, denn auch hier landet unter derselben Betrachtungsweise lediglich eine Kopie auf dem Rechner oder Smartphone des iTunes Kunden. Dessen ist man sich bei Apple auch bewusst, und so wird nicht die Datei an sich erworben, sondern eine entsprechende Lizenz.

Das Recht für die Rechtssprechung bezieht sich auf materielle Güter

Ein weiteres Problem bei dem Urteil ist das angewandte Recht. Das wiederum bezieht sich explizit auf materielle Güter. Bei den iTunes Dateien handelt es sich jedoch um immaterielle Dateien. Doch der Richter gab der klagenden Plattenfirma Capitol Records als auch dem Musikverband RIAA recht, die der Meinung sind, dass hier eben eine Kopie verkauft werden würde. Und die Rechte für die Vervielfältigung lägen nun mal bei den Plattenfirmen. Betrachtet man das Urteil nun in einem weiteren Spektrum, wird klar, dass die Rechte der Plattenfirmen über die Maßen gestärkt werden, denn plötzlich hätten die mit diesem Urteil auch Einfluss auf den privaten Zweitmarkt beim privaten Verkauf.

ReDigi möchte sein Angebot auf Europa ausweiten und braucht eine klare Rechtslage

Dem gegenüber steht nun ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach gebrauchte software durchaus weiterverkauft werden darf. Wichtig ist das insofern, als dass ReDigi sein Angebot auch auf den europäischen Markt ausweiten möchte. Allerdings betonte das Unternehmen, da man dafür zunächst in den USA in Berufung gehen wolle, schließlich böte das derzeitige Urteil keinerlei rechtliche Sicherheit. Es wird also weiterhin spannend bleiben, ob die Käufer von digitalen Gütern zukünftig in ihren Rechten gestärkt oder beschnitten werden.

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