Facebook stellt Facebook Home vor

Datum: Autor: Beni Kategorie: Internet

Nachdem Facebook eine Einladung für Donnerstag, den 4. April verschickt hatte, brodelte die Internetküche im Internet binnen kürzester Zeit auf. Sofort wurde das von Mark Zuckerberg schon zu einem früheren Zeitpunkt dementierte Facebook-Smartphone erneut in den Fokus der Spekulationen gestellt. Doch was der Facebook-Gründer nun vorstellte, mag auf den ersten Blick wenig dramatisch erscheinen. Befasst man sich aber etwas genauer damit, erkennt man schnell, dass das vorgestellte Produkt gar ein Coup werden könnte. Vorgestellt wurde Facebook Home. Die Software ist mehr als nur eine App, es ist eine deutliche Facebook-Erweiterung. Und etwas ganz Besonderes zeichnet Facebook Home aus: es verdrängt alles andere vom Startbildschirm eines Smartphones.

Zunächst sah man bei Facebook keinen Weg, kommerziell auf mobilen Geräten erfolgreich zu werden

Mehr als eine Milliarde Nutzer hat Facebook eigenen Angaben zufolge. Der Börsengang im letzten Jahr geriet dabei zu einem Desaster, das schon kurze Zeit nach dem Start als eine der größten Börsenflops der Wirtschaftsgeschichte bezeichnet wurde. Ursächlich dafür sind vor allem die starken und deutlichen Veränderungen der Internetnutzung durch die weltweiten Konsumenten. Mit der Popularität von Smartphones und Tablet-PCs nutzten nun immer mehr Menschen ihre mobilen Endgeräte, um online zu gehen – und dieser Trend wächst immer noch an. Genau das sehen auch Investoren bei Facebook. Und die hinterfragten einen möglichen Wert von Facebook in Zeiten des mobilen Internets. Denn zunächst sah es so aus, als ob Facebook diese Entwicklung regelrecht verschlafen hätte. Der Konzern hinter Gründer Mark Zuckerberg fand keine Optionen, die Plattform auf Mobilgeräten zu monetisieren. Das straften die Investoren ab. Zudem versuchte Facebook erst, offene Webapps statt konkret an die Smartphone-Betriebssysteme angepasste native Apps unter seine Nutzer zu bringen.

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Facebook Home verändert den Android Startbildschirm dramatisch

Doch die Facebook-Apps liefen enorm schlecht, also änderte Facebook seinen Kurs radikal und stellte erstmals speziell an die OS angepasste Apps vor. Danach wurde es wieder ruhiger um Facebook, bis plötzlich Einladungen für den 4. April 2013 die Runde machten. Viele vermeintliche Experten und Blogger dachten sofort daran, dass nun doch noch das Facebook-Smartphone kommen könnte. Doch bereits beim Dementi 2012 erklärte Zuckerberg, dass ein Facebook-Smartphone von schätzungsweise 10 bis 15 Millionen Mitgliedern genutzt werden könne. Das entspräche nicht dem Ziel von Facebook, etwas für alle Facebook-Mitglieder zu entwickeln. Und so stellte Mark Zuckerberg nun Facebook Home vor. Was zunächst wie eine weitere App klingt, ist erheblich mehr als das. Facebook Home ist eine tief greifende Erweiterung von Android. Tief greifend, weil nach der Installation von Facebook Home der bis dahin gewohnte Startbildschirm von Smartphones einer Ansicht weichen muss, die Facebook und Funktionen davon umfassend in den Vordergrund stellt.

Aus Google Android wird Facebook Android

Bisherige Startmenü-Apps sind dann nur noch über ein Untermenü aufzurufen und selbst dann bleibt die Facebook Anwendung mit beispielsweise einer Chat-Funktion dominierend. Anders ausgedrückt: Facebook stellt seine Plattform in den Fokus eines jeden Smartphones mit Android Betriebssystem. Die Sensation hinter dieser Nachricht ist an einem ganz anderen Ende zu suchen, nämlich bei Google. Wie wohl die meisten Smartphone-Nutzer wissen, ist Android ein Smartphone-Betriebssystem von Google. Und wie andere Unternehmen auch, finanziert sich Google vornehmlich durch Werbeeinblendungen. Wenn nun aber Facebook Home plötzlich auf vielen Smartphones zu sehen ist, dann bedeutet das keine Werbeeinblendungen mehr für den Suchmaschinenriesen. Facebook-Mitarbeiter erklärten dazu, dass Facebook Home derzeit zwar noch werbefrei sei, dies sich aber im Lauf der Zeit ändern werde. Außerdem hatte Zuckerberg darauf hingewiesen, dass Android schließlich ein offenes System sei und Google das explizit immer wieder betonte. So ist bisher in einer ersten Stellungnahme von Google auch zu vernehmen, dass es aus diesem Grund nichts gegen Facebook Home einzuwenden gebe – schließlich sei Android offen für jeden.

Facebook Home übernimmt regelrecht Smartphones

Dennoch: es ist nur schwer vorstellbar, dass Google das tatsächlich so gelassen hinnehmen könnte, immerhin geht es um ein Milliardengeschäft. Facebook hingegen ist ein wahrer Coup gelungen: statt ein eigenes Smartphone auf den Markt zu bringen, kann das soziale Netzwerk nun im Prinzip sämtliche Android Smartphones dominieren. Es ist also durchaus vorstellbar, dass Google hier zukünftig einen Riegel vorschieben könnte. Die Idee ist durchaus genial, aber man möge sich nur einmal vorstellen, dass nun noch andere Unternehmen ebenfalls ähnliche Android-Erweiterungen auf den Markt bringen. Android ist dann nur noch das Vehikel, mit dem die eigenen Interessen angeschoben werden. Facebook-Mitglieder, die das ab 12. April erhältliche Facebook Home nutzen wollen, sehen übrigens eine Diashow von Facebook-Bildern, außerdem werden Nachrichten und Infos zu Freunden angezeigt. Zudem kann sofort von der Startseite losgechattet werden.

Erste Facebook Home Smartphone ebenfalls vorgestellt: HTC First

Daneben hat HTC mit dem HTC First das erste Smartphone vorgestellt, auf dem Facebook Home bereits installiert ist. In den USA soll das Telefon über einen Telefon-Provider für 100 US-Dollar angeboten werden, zum deutschen Markt gibt es noch keine Informationen. Spannend bleibt es nach der Vorstellung von Facebook Home allemal: Google wird sicher reagieren, während andere Unternehmen und Seitenbetreiber vielleicht diese Idee des “Kaperns” der Startseite abkupfern könnten. Es ist also wieder viel Bewegung im Mobile Internet Markt.

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