Google Voice Actions gegen Apple Siri
Es gab Zeiten, da waren sprechende Maschinen nur eine fantasievolle Idee aus Büchern und Filmen – und auch unzählige halbgare Dienste setzten auf Sprachsteuerung, hatten aber eher den Anschein, nur Testprodukte zu sein. Denn die meisten solcher Programme verstanden nur bestimmte Schemata von Sätzen oder Fragen und konnten vor allem nicht alle Aufträge lösen.

Ein unglaublicher Fortschritt brachte vor einiger Zeit Apple mit ihrem Dienst Siri, der unter Anderem auf dem iPhone 4S implementiert wurde. Beim Einschalten des Programms kann man seinem Handy nun fast alles Erdenkliche sagen und es wirklich erstmals durch Sprache steuern. Auch die Computerstimme des Smartphones beherrscht bei ihren Antworten die perfekte Grammatik und kommt versteht teilweise auch Fragen, in denen nicht direkt ein bestimmtes Suchwort auftaucht, aus dem Zusammenhang. So kann man dem Handy nun etwa den Auftrag geben, einen Wecker für sieben Uhr zu stellen oder die Frage zu beantworten, wie die Fußball-Spiele am vorherigen Tag ausgegangen sind – Apple Siri schafft all das ungewöhnlich gut.
Android 4.1 kommt mit Voice Actions
Aber selbst ein innovativer Dienst wie dieser muss sich später mit einer Konkurrenz auseinandersetzen – und die kommt von niemand geringerem als Google. Im demnächst erscheinenden mobilen Betriebssystem Android 4.1 wird deren hauseigene Sprachsteuerung Google Voice Actions enthalten sein. Eine Vorab-Version des Systems ist aber bereits erhältlich, sodass das Produkt bereits getestet werden konnte. Bisher ist Google Voice Actions allerdings nur auf Englisch funktionsfähig.
Auf Prototypen des neuen Samsung Galaxy Nexus haben einige Experten Googles Sprachdienst bereits getestet und mit Apple Siri verglichen – und sind überzeugt. Es gab zwar keinen Punkt, an dem Voice Actions eine Frage beantworten konnte, bei dem Siri nicht mehr weiter wusste, aber die Geschwindigkeit der beiden Dienste war doch unterschiedlich. So brachte Google Voice Actions die Ergebnisse meist kurz vor Siri auf den Bildschirm, manchmal betrug der Zeitunterschied sogar etwas mehr als fünf Sekunden. Dabei fällt vor allem auf, dass Googles Produkt den Befehlen oder Fragen sofort nachgeht, während Siri häufig noch kurze Füllphrasen wie “Ich kümmere mich darum” einwirft, um mehr Zeit zu haben. Andererseits ist Voice Actions dadurch aber eventuell auch fehlerlastiger, zumindest wenn es einmal zu wirklich komplizierten Fragen kommt. Denn Apples Siri fragt häufig noch einmal extra nach, ob es die Frage sinnvoll und richtig verstanden hat, und führt erst dann den Befehl aus, während Google meist sofort reagiert – da kann es natürlich leichter einmal zu Missverständnissen kommen. Bei den meisten Anforderungen sind die Nachfragen von Siri aber eher ein wenig störend, zumal Google Voice Actions zu diesem Zeitpunkt oft schon ein Ergebnis zeigen würde.
Mehr Menschlichkeit bei Voice Actions
Einen kleinen Unterschied gibt es auch zwischen den Stimmen der Geräte. Die von Voice Actions klingt etwas menschlicher als die von Siri – nicht von der Stimmlage her, denn diese ist in beiden Fällen sehr künstlich, aber eher durch die flüssigere Verwendung der Sprache. Siri zu gute halten kann man unter Anderem, dass es bei Fragen die Ergebnisse schöner präsentiert. Das hat zwar nicht direkt etwas mit der Sprachsteuerung zu tun, aber die Oberfläche des Programms ist sehr viel übersichtlicher als die von Voice Actions.
Momentan sieht es so aus, dass Google ein noch weiter entwickeltes Produkt als Siri geschaffen hat. Man darf allerdings gespannt sein, ob Apple schon bald wieder zurückschlägt, wenn im Herbst das neue iOS 6 erscheint.
