Apple verbannt Skandal-Apps aus dem App Store

Datum: Autor: Sebastian Kategorie: iPhone AppsTAGS:  , , ,

Apple behält sich für den App Store das Recht vor, über die eingereichten Programme zu entscheiden. Im Zweifelsfall bedeutet dies für Entwickler eine letzte Hürde, die sie nehmen müssen, um ihre Programme für iPhone und Co. zu verkaufen. Mit dieser Produktpolitik, die dem offenen System des Google Play Store gegenüber steht, macht sich Apple nicht nur Freunde. Immer wieder wird Apple vorgeworfen, so gezielt gegen Konkurrenz und unliebsame Apps vorzugehen, auf der anderen Seite ist der App Store deutlich weniger anfällig für Viren und Malware, die im Play Store in hoher Stückzahl die Runde machen.

Zwei besonders skandalträchtige Apps wurden jedoch aus politischen Gründen verbannt. Denn weder bei “Sweatshop”, noch bei “Endgame: Syria” handelt es sich um gänzlich unumstrittene Apps.

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App Store will weder Kinderarbeit noch Bürgerkrieg

Das Spiel “Sweatshop HD” wurde endgültig aus dem App Store entfernt. Die Zusammenarbeit von Channel 4 und Littleloud, zwei britischen Entwicklern, wurde entfernt, da Apple kein Spiel anbieten wollte, das Kinderarbeit und die Arbeit in einem Sweatshop zum Thema hat.

Das Spiel “Sweatshop” ist eine Simulation, in der Spieler eine Fabrik leiten müssen. Kein Spieler wird dabei gezwungen, auf Kinderarbeit zurückzugreifen oder seine virtuellen Arbeiter unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten zu lassen. Finanziell hat es im Spiel aber natürlich seine Vorteile, die Arbeiter zu Dumpinglöhnen zu unwirtlichen Stunden in enge Fabriken zu sperren und kein Geld in Notausgänge oder Witwenrente zu stecken. Apple waren diese Referenzen zu Vorfällen in tatsächlichen Sweatshops etwas zu real und auch wenn die Entwickler noch einmal klarstellten, ihre App sei rein fiktiv, änderte Apple sein Urteil nicht mehr. Immerhin wurde von Littleloud und Channel 4 akkurat recherchiert, trotz fiktiver Inhalte bleibt “Sweatshop” seiner unmenschlichen Vorlage treu.

“Sweatshop HD” bleibt verbannt aus dem App Store. Vielleicht auch, weil Apple im letzten Jahr selbst mit einigen Klagen über unmenschliche Arbeitsbedingungen zu kämpfen hatte – wer dennoch einen Blick auf das kontroverse Spiel werfen möchte, kann “Sweatshop HD” über Littleloud online beziehen.

Bei “Endgame: Syria” sieht die Lage schon etwas skurriler aus. Das dem Quartett nicht unähnliche Spiel basiert die Werte der Spielkarten nämlich auf tatsächlichen Werten aus dem syrischen Bürgerkrieg und ist so eine Mischung aus Nachrichten und Spiel. Mit Werten wie “Widerstandsfähigkeit” oder “Zivilen Opfern” bewegt man sich jedenfalls an der Grenze des guten Geschmacks.

“Endgame: Syria” von Designer Tomas Rawlings sei aber ein Newsgame, eine Unterkategorie der Serious Games, also ernsthafter Spiele, die weniger Spielecharakter haben, sondern stärker in der Realität verwurzelt sind. Dabei gehe es in “Endgame: Syria” letztlich auch nicht darum, den Bürgerkrieg zu vermarkten, sondern die Fakten penibel wiederzugeben und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Die journalistischen Themen sollen in den Newsgames interaktiv wiedergegeben werden.

Apple war das Thema dennoch zu heiß und in Berufung auf Artikel 15.4 ihrer Store-Vorschriften lehnte man das Spiel ab. Eine App dürfe nämlich nicht gezielt Menschen einer bestimmten Herkunft, Religion oder Regierung als Gegner ausgeben. Genau das tut “Endgame: Syria” aber, denn die Aufgabe des Spielers ist es, gemeinsam mit den Rebellen das Regime des syrischen Machthabers al-Assad zu stürzen. Ob ein Newsgame tatsächlich das richtige Medium hierfür ist, scheint zumindest Apple zu bezweifeln. Den intendierten, kritischen Abstand zum Spiel, mit dem Tomas Rawlings versucht, Inhalte zu vermitteln, sieht Apple nicht als ausreichenden Grund, das Spiel freizugeben.

Auch “Endgame: Syria” ist für PC und Android allerdings trotz der dritten Ablehnung in Apples App Store frei verfügbar.

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