E-Book-Klage geklärt: Apple zahlt 400 Millionen Dollar

Datum: Autor: Sebastian Kategorie: AppleTAGS:  , , , ,

Amazon ist Sieger auf ganzer Linie, Apple und auch Androidgeräte sind dagegen die großen Verlierer der E-Book-Preisabsprachen. Gegen den Versandhausriesen und seine Kindle Reader hatte sich Apple mit den sechs größten Verlagshäusern der USA zusammengeschlossen, um ein Preiskartell zu gründen. Die E-Books durften fortan nur noch zu festgesetzten Preisen verkauft werden, so wollte Apple einen fairen Wettbewerb garantieren – und nebenbei dem iBookstore Leben einhauchen. Nun ist das Agentursystem am Ende.

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Apple kann E-Books nicht länger zu Festpreisen anbieten

In Deutschland gibt es ohnehin die Buchpreisbindung, die konstante Preise für Bücher garantiert. Auf den hiesigen E-Book-Markt wird das amerikanische Urteil wohl nur indirekten Einfluss haben. In den USA allerdings sah man Apples Vorstoß als eher marktgefährdend und verlangte von den Verlagen und von Apple einen schnellen Rückzug vom praktizierten Agentursystem. Die Bundesstaaten forderten insgesamt einen Schadensersatz von 566 Millionen US-Dollar. 166 Millionen Dollar von der festgesetzten Summe hatten die Verlage bereits bezahlt – hier kam es überraschend schnell zu einer Einigung.

Einzig Apple kämpfte vor Gericht weiter dafür, dass man Amazon bei E-Books freie Hand ließe. De facto ist Amazon durch den Kindle Reader und die Möglichkeit, E-Books günstig anzubieten der alleinige Marktführer. Selbst Reader von riesigen Buchhändlern wie Barnes and Noble verschwanden zusehends aus den Regalen. Im Juli vergangenen Jahres musste Apple aber die erste Niederlage einstecken und wurde fortan von Wächtern der US-Regierung unter die Lupe genommen. Immer wieder kam es zu kleineren Reibereien zwischen beiden Parteien.

Da nun Apples Berufung gegen den Klagespruch des US-Justizministeriums gescheitert ist, zahlt Apple eine Summe von 400 Millionen Dollar. Diesem Vergleich hat man in Cupertino zunächst zugestimmt, allerdings unter Vorbehalt. Denn auch eine Berufung gegen das Urteil ist bereits ergangen und in nächster Instanz entscheidet der Appeals Court, also das Berufungsgericht, über Apples Einspruch.

Der Fall wird dabei vor allem noch unter bürokratischen Gesichtspunkten verhandelt, denn während Apple vornehmlich argumentierte, die Bundesstaaten hätten kein Recht, Schadensersatz im Namen der Verbraucher zu fordern, gilt Apples „Schuld“ als Anführer der Verschwörung als erwiesen. Apple war maßgeblich und linienführend an den Kartellabsprachen beteiligt, dies habe zu Mehrkosten für die Verbraucher geführt, was wiederum dem US-Kartellamt sauer aufstieß.

Hat US-Urteil Auswirkungen auf deutsche E-Books?

Da der Sachverhalt in Deutschland etwas anders liegt und durch die Buchpreisbindung vor allem auch die Rechte der Buchhändler gegenüber Amazon und den großen Buchhandelsketten geschützt werden, wird es keine direkten Auswirkungen der US-Entscheidung geben. Indirekt könnte die Klage der US-Justizbehörde dennoch Auswirkungen haben.

Der Kindle Reader hat jedenfalls einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz und auch Bücher auf Amazons Tablets werden dauerhaft günstiger sein als auf iOS oder Android. Digitale Reader, die nicht von Amazon stammen, wären nur noch außerhalb der USA lukrativ – und in Deutschland etwa haben E-Books nicht einmal fünf Prozent Marktanteil. Und Konkurrenzprodukte zum Kindle Reader oder digitale Bookstores werden durch das US-Urteil noch einmal unattraktiver.

Noch aber besteht auch für Apple Hoffnung: Wenn der US Court of Appeals Apple recht gibt, sind lediglich 50 Millionen Dollar Strafe zu zahlen, eventuell könnte das Urteil sogar vollständig aufgehoben werden und man könnte weiter sehen, ob die USA nicht doch irgendwann über eine Buchpreisbindung nachdenken.

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