Apple, Samsung und der Krieg um Patente

Datum: Autor: Beni Kategorie: AppleTAGS:  , ,

Das iPhone hat ein unverwechselbares Design. Die runden Ecken, die Mischung aus Glas und Aluminium, die Benutzeroberfläche, das Touchinterface, selbst der grüne Hörer – Apple hat fünf Jahre in die Entwicklung des iPhones gesteckt und ein nicht unwesentlicher Teil dieser Entwicklungszeit ging in das Design. Vom ausgeschalteten Gerät bis hin zu den Symbolen für die Apps, alles sollte stimmig sein.
Doch um den Smartphonemarkt (und Fragen des Designs) ist ein erbarmungsloser Krieg ausgebrochen, den Apple und Samsung nun vor Gericht austragen.

Lieber gut imitiert als schlecht erfunden?

Der Konzern Apple und seine Produkte besetzen ein ganz bestimmtes Segment des Technologiemarktes: den Premiumsektor. Und da ist es Apple keineswegs recht, dass Konkurrent Samsung mit dem Galaxy S3 in Apples Vorgarten wildert.
Apple und Samsung stehen nun also vor Gericht und dabei geht es um wertvolle Patente, die der jeweils andere Konzern verletzt haben soll. Allen Apple-Feinden gibt dieser Prozess Futter, da sie sich darin bestätigt fühlen, dass der kalifornische Computerriese gegen Samsung mit allen Mitteln ins Gefecht zieht. Es wird jedoch gerne übersehen, dass auch Samsung Apple wegen Verletzung ihrer Patentrechte anklagt.

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Für die neun Geschworenen in dem Zivilprozess ist die Lage dabei keineswegs eindeutig, die Anschuldigungen aber monströs. Apple fordert 2,5 Milliarden US-Dollar Schadensersatz, Samsung möchte von den iPhone-Erfindern 400 Millionen Dollar haben. Alleine Anweisungen und Erläuterungen des Gerichts fassen über 100 Seiten, denn das Patentrecht ist längst nicht mehr aktuell und für Smartphones und andere technische Geräte ursprünglich nicht erfunden worden. Das Patent gibt dem Inhaber das Recht, Lizenzgebühren für seine Erfindungen zu verlangen. Inzwischen wird Patentrecht jedoch gerne eingesetzt, um Verkaufsstopps zu erzwingen und die Konkurrenz entscheidend zu schwächen. Dabei bleibt die Frage, inwiefern der Radius einer abgerundeten Ecke unter dieses Patentrecht fällt.

Mühsame Kleinstarbeit

Schließlich haben Steve Jobs und der Designchef von Apple, Jonathan Ive, für das erste iPhone jedes Detail neu erfinden müssen, inspiriert von Einfachheit und “Form Follows Function” des deutschen Bauhaus-Designs. Was beim Apple-Konzern mehrere Jahre dauerte, konnte Samsung, so der Vorwurf, binnen Monaten kopieren.
Es wird dagegen gehalten, dass alle Smartphones ähnlich designt sind: Sie verfügen nicht mehr über Tasten, sondern besitzen ein großes Display und abgerundete Ecken sind schlichweg praktisch, damit das Telefon sich beim Herausnehmen nicht in der Tasche verhakt.
Samsungs Designerin Jeeyuen Wang gibt an, dass auch Samsung einen langen Designprozess hinter sich hat, alleine um zum grünen Hörersymbol zu gelangen. Gerade dieses sieht in seiner Lösung dem von Apple verwandten Symbol aber extrem ähnlich.
Dabei wird die Urteilsverkündung wegen der unklaren Rechtslage erst in einigen den Wochen erwartet, könnte aber maßgeblich sein für den Mobilfunksektor. Schließlich ist der rasant wachsende Sektor einer der lukrativsten Bereiche im umkämpften Technologiemarkt.

iPhone Generationen
iPhone Familie: iPhone, iPhone 3GS und iPhone 4. Foto: Yutaka Tsutano

Die Zukunft der Smartphones

Im schlimmsten Falle würde das US-Gericht dafür sorgen, dass ein rigides Patentrecht den gesamten Wettbewerb lahmlegt und den Markt für Monate oder Jahre zum Stillstand bringt. Eine Folge des Prozesses steht aber schon unabhängig vom Ausgang fest: Das Gerichtsverfahren wird teuer und die Kosten werden mit Sicherheit auf die Endverbraucher umgelegt.
Es folgen also spannende Monate für den Mobilfunkmarkt. Es sei denn, Apple gelingt mit dem iPhone 5 ein Coup, mit dem sie die Konkurrenz unabhängig von Patenten um Jahre abhängen. Wieder einmal.

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