Apple lässt Köpfe rollen

Datum: Autor: Beni Kategorie: AppleTAGS:  , , ,

Auch wenn Apple unter dem verstorbenen Chef Steve Jobs schon immer eine rigide Personalpolitik nachgesagt wurde, so hat sich scheinbar auch unter dem neuen CEO Tim Cook an einer gewissen Kälte in der Entlassungspolitik nichts geändert: Die beiden Spitzenmanager Scott Forstall und John Browett mussten dies nun am eigenen Leibe erfahren. Doch wie in jeder guten Monarchie gibt es dafür nicht nur rationale Gründe.

Apple Maps fordert Bauernopfer

Vor allem im Bereich iOS lag Apple mit einigen der Entscheidungen der letzten Monate gründlich daneben. Zwar waren Ping und Mobile Me höchst unbeliebt, doch keine Software-Lösung stieß der Gemeinde so bitter auf wie Apple Maps. So nahm das iPhone die verlässlichen GoogleMaps aus dem Programm, um sie durch eine dreidimensionale und höchst futuristische Lösung zu ersetzen. Gerade die jedoch hat, untypisch für Apple, mit mehr als nur ein paar Kinderkrankheiten zu kämpfen.
Der Vertriebschef John Browett verliert nach gerade einmal sechs Monaten seinen Posten – mit sofortiger Wirkung. Browett, der in der Firma ohnehin nie beliebt war, folgte auf Vertriebschef Ron Johnson und machte sich sogleich unbeliebt, indem er Entlassungen in den Apple Stores veranlasste. Und dies nur um die Gehälter der Angestellten einzusparen. Tim Cook unterstützte das Vorgehen zunächst, revidierte die Entscheidung aber und trennt sich nun von dem ersten Manager, den er eingestellt hatte.
Was die Zukunft für Browett bringt, ist ungewiss, aber in den vergangenen Tagen hat er seine Anteile am Konzern in Bares umgemünzt.

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A Game of Apples

Etwas anders gestaltet sich die Lage bei Scott Forstall, der bereits seit 1997 für Apple arbeitete und unter Anderem an der Entwicklung von MacOS beteiligt war. Der einst als Jobs’ “Zauberlehrling” bezeichnete Forstall war sogar noch im Publikum vertreten, als das iPad mini vorgestellt wurde.
Insbesondere die Maps-Affaire dürfte aber wohl endgültig Forstalls Kopf gehabt haben. Seine Weigerung, die von Tim Cook initiierte Entschuldigung dafür zu unterzeichnen, war nur ein zusätzlicher Sargnagel. Immerhin war Forstalls Abteilung maßgeblich beteiligt an dem Software Update, das mit dem Kartendienst verbunden war.
Ein weiterer Punkt, der Forstall mutmaßlich den Job gekostet hat, war ein andauernder Streit mit Design-Chef John Ive – beide erschienen wohl nur dann gemeinsam zu Meetings, wenn sie von CEO Cook explizit darum gebeten wurden. Sehr unbritisch gab sich Ive in dem andauernden Machtkampf der beiden Lager, aber behielt schließlich die Oberhand.
Forstall muss seinen Hut aber erst im kommenden Jahr nehmen und wird bis dahin weiter in beratender Funktion für Tim Cook arbeiten. Ob Ärger da vorprogrammiert ist, oder ob Forstall es schafft, sich noch einmal zu rehabilitieren, werden wohl erst die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Interner Neuanfang

Apple möchte den Umbau in der Führungsspitze jedoch auch als neue Chance nutzen, um die Bereiche Hardware, Software und Dienste noch enger zusammenzuführen. In diesem Zuge wird Eddy Cue, der Leiter der iTunes-Plattform, nun mit der Verantwortung für Apple Maps und Siri betraut, um iOS wieder auf Linie zu bringen. So wird Cues Einfluss nach der Umwandlung von MobileMe in die ungleich erfolgreichere iCloud in der Firma wohl weiter wachsen.
In jedem Fall konnte Apple wieder einmal beweisen, dass sie nicht nur reizvolle, sondern auch gefährdete Positionen anbieten.

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