Apple fechtet E-Book-Urteil an

Datum: Autor: Sebastian Kategorie: AppleTAGS:  , , ,

In erster Instanz wurde Apple im Fall der Preisabsprachen im E-Book-Sektor zu einer herben Geldstrafe verurteilt und die Preisabsprachen wurden für illegal erklärt. Künftig kann von den Publishern und Anbietern der E-Bookstores wieder frei entschieden werden, wie viel für die Bücher verlangt wird. Die erste Instanz des Bezirksgerichtes entschied sich also gegen Apple, doch bereits im letzten Oktober kündigte der iPad-Hersteller an, dass er gegen das Urteil vorgehen werde. Nun hat Apple auch offiziell Berufung eingelegt.

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Apple will Wettbewerb auf dem E-Book-Markt erhalten

Zunächst einmal klingt das Urteil des Bezirksgerichts durchaus plausibel: In den freiheitsliebenden USA wurde entschieden, dass Apple durch seine Preisabsprachen den Kunden schadete. Konkret einigte Apple sich mit den großen Verlagshäusern auf ein System, nach dem die Bücher in der digitalen Distribution nicht unter einem bestimmten Preis verkauft werden dürfen. Besonders Amazon hatte Apple mit diesem Urteil eins ausgewischt, denn mit seinem Kindle Reader hat Amazon in den letzten Jahren die gesamte E-Book-Konkurrenz ausgelöscht.

Selbst größere Buchhandlungen wie Barnes and Noble konnten sich gegen das US-Versandhaus nicht länger erwehren. Schließlich konnte Amazon die E-Books geradezu obszön niedrig anbieten, alleine durch die schiere Masse der digital abgesetzten Bücher konnte Amazon dennoch profitabel arbeiten. Apples Preisabsprache mit den Verlagen sorgte also vorrangig für einen freien Wettbewerb zwischen den E-Book Stores.

Richtig lukrativ wurde das für Apple erst mit dem Erscheinen des iPad und der Eröffnung des iBookstores, da es plötzlich attraktiv wurde, auch auf Apples Geräten Bücher zu lesen. Mit dem Kartellsystem, das dem deutschen System der Buchpreisbindung nicht unähnlich ist, schaffte Apple zumindest einen ausgeglichenen Wettbewerb im Zwist mit Amazon.

Die US-Bezirksrichterin Denise Cote urteilte aber anders. Die Klage des US-Justizministeriums gegen Apple bestärkte sie mit den Worten, dass die Preisabsprache Innovationen verhindere und letztlich den Verbrauchern schade. Apple reichte nun auf 75 Seiten Berufung gegen das Urteil ein und führte unter anderem an, dass die Preisbindung der E-Books keinesfalls das Ende des Wettbewerbs markiert habe – im Gegenteil habe die Preisabsprache überhaupt erst dafür gesorgt, dass es einen richtigen Wettbewerb mit Marktführer Amazon geben konnte. Die Verlage waren mit Apples Agenturmodell aber so lange einverstanden bis das US-Justizministerium aggressiv gegen die Absprache vorging.

Apple wurde vor Gericht härter angegangen als die Verlagshäuser, da die Richterin Cote die Hauptschuld beim Technikkonzern aus Cupertino sah. Dieser habe nach Ansicht des Bezirksgerichtes die Absprache “orchestriert”.

Apple kämpft nach Kräften gegen die Wettbewerbsaufsicht

Dabei wehrt Apple sich nun vor der Berufungsverhandlung nicht nur gegen das Urteil, das Agenturmodell beenden zu wollen. Vor allem auch die gerichtlich beorderte Überwachung durch einen Wächter des Kartellamtes stößt Apple sauer auf. In der Berufungsschrift bezeichnete man die Order von Richterin Cote als beispiellos und verfassungswidrig.

Nachdem die Verlage sich mit dem US-Justizministerium auf einen außergerichtlichen Vergleich einigten, steht Apple nun alleine im Kampf gegen das Urteil da. Wie die Chancen in der zweiten Instanz stehen, ist noch völlig offen. Einen besonderen finanziellen Faktor stellen die E-Books für Apple zwar nicht dar, doch alleine die Verfügbarkeit zum gleichen Preis wie auf den E-Readern ist für Apple wichtig, um Bücher für iOS abzusetzen. Und ohne das Agenturmodell hätte Apple den Einstieg nicht einmal wagen können. Tatsächlich würde Apple ohne das Agenturmodell in einem Dilemma stecken: Denn wenn der iPhone-Hersteller weiterhin konkurrenzfähig E-Books verkaufen wollen würde, müsste man unter Verlusten verkaufen. Und das ist ebenfalls wettbewerbswidrig.

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